Zeichen setzen
21. 12. 2009Florian Weiland
Der Otten Kunstraum präsentiert Gottfried Honeggers Bildfindungen für die Zustände sozialer Anonymität.
Kunst um der Kunst willen habe er immer abgelehnt, erklärt Gottfried Honegger. Für ihn sei die Kunst vielmehr Teil der Aufklärung – eine Art kulturpolitischer Auftrag zur Verbreitung von Schönheit und Erkenntnis. Immer wieder hat sich der mittlerweile 92-Jährige in seinem Werk mit ethischen Fragen auseinandergesetzt und appelliert noch heute an jeden Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen, sich einzumischen, Zeichen zu setzen und die Welt zu gestalten. Kaum ein anderer Schweizer Kunstschaffender erhitzt mit seinen Kommentaren zum kulturpolitischen Geschehen die Gemüter so sehr wie Gottfried Honegger. Er ist ein unbequemer Künstler – und einer der bedeutendsten noch lebenden Vertreter der konstruktiv-konkreten Kunst.Die zweite Ausstellung des Otten Kunstraums im österreichischen Hohenems widmet ihm nun eine umfangreiche Soloschau. Gezeigt werden Werke von den 1950er Jahren bis heute, aber die Ausstellung würdigt auch den engagierten Essayisten und „Homo politicus“ Honegger. Seine Ideale von Verantwortung, Gleichheit und Solidarität bringt der Künstler in Malereien, Skulpturen, Reliefs, Collagen und Grafiken ebenso wie in Arbeiten im öffentlichen Raum zum Ausdruck. Honeggers Schaffen wurzelt in der Russischen Avantgarde. Eine weitere wichtige Bezugsgröße ist Piet Mondrian. Obwohl er viele Kontakte zu Künstlern pflegte, schloss er sich jedoch nie einer Künstlergruppe an, auch nicht den Zürcher Konkreten um Max Bill.
Wenn auch seine ungegenständlichen Arbeiten es dem Betrachter nicht unbedingt leicht machen, die Verbindung von Bild, Zeichen und gesellschaftlicher Utopie gleich herzustellen: wer sich darauf einlässt, wird belohnt. Denn Kunst, verrät Honegger, ist ein Guckloch in das verlorene Paradies.
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