Dilettant des Alltags
26. 01. 2010Annette Hoffmann
Die Ausstellung "Crossings" gibt im E-Werk Freiburg Einblick in die surrealen Welten von Tillmann Damrau.
Tillmann Damrau bezeichnet sich selbst als einen „Dilettanten des Alltags“. Ein Blick auf seine Werke, die derzeit im Studio des Freiburger E-Werks zu sehen sind, zeigt, dass Damrau kein Freund schlichter Erzählstrategien ist. Weder folgen seine Erzählungen einer Hierarchie der Dinge noch der Chronologie alltäglicher Ereignisse. Von rotem Faden keine Spur, die Leinwand lässt eben viel Platz für Gleichzeitigkeit. Da kann man schon einmal zum Alltagsdilettanten werden. Doch damit nicht genug, finden sich auf Damraus Bildräumen die unterschiedlichsten Techniken. Die Malerei ist nur eine davon. „Crossing“ hat der in Stuttgart lebende Künstler seine kleine Einzelausstellung in Freiburg genannt. In seinem Blog weist er auf das Bedeutungsspektrum des Begriffes hin, das von der Straßenkreuzung bis zur hybriden Züchtung reicht.Letzteres dürfte den Damrauschen Bildkompositionen am nächsten kommen. „Outpost“ etwa zeigt eine junge Frau mit auffällig roten weiten Hosen, die das Bild dominiert. In der Hand hält sie ein technisches Gerät, vielleicht einen Rekorder, ihr Blick ist entspannt. Wo sie sich befindet, erschließt sich nicht völlig. Vielleicht in der Arktis. Eine weitere Figur trägt dicke Winterkleidung und Kinderhandschuhe, die mit einem Band miteinander verbunden sind, in der rechten Hand hält der Mann einen Eispickel. Auf dem Boden jedoch kauert ein weiterer Mann neben einem Loch im Eis, daneben liegen Fische. Die Größenverhältnisse korrelieren nicht miteinander, die Perspektive ist außer Kraft gesetzt, Flächiges dringt nach vorne. Über der ganzen Szenerie kreist ein roter Helikopter, rechts davon sind einfache Baracken zu sehen, die Fassade der einen wird durch das Gesicht einer Frau mit Kapuze bestimmt. Wer könnte mit diesen Komponenten eine in sich schlüssige Geschichte erzählen?
Vermutlich kommt es Damrau eben darauf nicht an. Das Bild sucht seine eigenen Lösungen. Sowohl, was diese Erzählfragmente angeht als auch die verschiedenen Darstellungsebenen. Denn während der Hintergrund oft ins Malerische übergeht und Damrau sogar mit Klebestreifen arbeitet, wirken die Figuren ausgesprochen zeichnerisch. Und Damrau ist ein hervorragender Zeichner, der mit sicheren Strichen das Charakteristische seiner Personen einfängt. Tillmann Damrau positioniert seine Figuren in surrealen Bildwelten. In seiner Arbeit „Zauberer“ aus dem Jahr 2007 sind zwei Männer und eine Frau zu sehen. Die beiden Männer stehen in der Nähe einer quadratischen Grube, in die eine Leiter führt. Daneben wird eine Art Hausmodell sichtbar. Die Frau befindet sich ein wenig abseits. Ihre Armbewegungen, das Erstaunen, das sich in ihren Gesichtern und Körpern ausdrückt, zeigt, dass sich etwas Unerwartetes außerhalb des Bildes abspielen muss.
Damraus Hybride sind ohne die Rückkehr zur Figuration im Kontext der Leipziger Schule nicht zu denken. Doch Damrau muss sich sichtlich nicht an den Relikten eines politischen Systems abarbeiten. Seinen Bildfindungen fehlt jedes Pathos, nicht aber Poesie.
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