Die Sprache der Straße
22. 02. 2010Johannes Dobroschke
Jan Christensen stellt im Kubus des Münchner Lenbachhauses leere Titel als Wandmalerei aus.
Zufällig verirrt man sich nicht hierher. Lieblose Blockbauten, ein Altenheim, eine herunter gekommene Bowlingbahn und ein kleiner Park bilden die nähere Umgebung. Ambitioniert, gerade hier Raum für Kunst zu schaffen. Die Architektur nimmt Bezug auf diese besondere Situation, indem sie Einfachheit und Zugänglichkeit verspricht. Es gibt nur einen Ausstellungsraum, der zur Straße hin durch eine Glaswand einsehbar ist. Dies ermöglicht Kunst-Konsum im Vorübergehen und birgt gleichzeitig das Potential, den Passanten zum Stehenbleiben zu bringen.In jedem Fall ist der Kubus eine Herausforderung für Kuratoren und Künstler, da er Flexibilität verlangt. Bis März ist eine Arbeit des jungen norwegischen Künstlers Jan Christensen zu sehen: „Still More Titles for Which I Don't Know What to Make“. Christensen kultiviert seine Ratlosigkeit ob des eigenen Einfallsreichtums und beschreibt die Wände mit Werktiteln, für die es eben bisher keine Werke gibt. „Hot, hot, hot“ steht da, „Rainbows on mars“ oder „Aber doch vielleicht“. Die Schriftzüge verspinnen sich mit blassen Farbflächen, Kritzeleien und einem großen stilisierten Frauengesicht im linken oberen Eck zu einem Gesamtbild, das die rechteckige Form des Raumes verwischt. Trotzdem will sich von der Ferne keine Sogwirkung einstellen und auch beim näherem Hinsehen fragt man sich, ob sich der Weg in Christensens Fantasie wirklich lohnt. Die Kunst lässt den Betrachter kalt, im Wortsinn. Es lohnt, über Kunst und deren Benennung nachzudenken, aber nicht auf die Schnelle in der Kälte des Münchner Winters. Außerdem versäumt es Christensen, seinem Werk Relevanz im Stadtkontext zu geben, er hat schlicht keine „Street-Credibility“. Kunsttheorie dürfte kein Gesprächsthema sein an der Würstchenbude gegenüber.
Wandarbeiten stehen in diesem Jahr im Fokus des Kubus. Eine Konzeptidee, die Sinn ergibt im zubetonierten Münchner Norden. Bleibt zu hoffen, dass nächstes Mal auch dem subversiven Element der Wandkunst Rechnung getragen wird. Vielleicht sollte man den Kids vom Block ein paar Sprühdosen in die Hand drücken.
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