Fotografie als Readymade

24. 02. 2010
Annette Hoffmann

Anspielungsreich: Das Aargauer Kunsthaus stellt 40 Jahre Fotoschaffen des Schweizer Künstlers Hugo Suter vor.

Mit der üblichen Rezeptionshaltung, die sich im Verlauf eines Ausstellungsbesuchs zwischen distanziert und interessiert einpendelt, kommt man hier nicht weit. Denn wie sollte man anders auf Hugo Suters „Sofortbilder von Sofortskulpturen“ reagieren als eben schmunzelnd, wenn nicht gar laut loslachend? Zeigt sie doch eine Serie von Polaroidfotos (Sofortbilder) von einer Kosmetiktücherbox mit herausgezogenen Tüchern (Sofortskulpturen). Die Kosmetiktücher sind eben so weit herausgezogen, dass sie noch genug Stand haben, um nicht in sich zusammenzufallen und die quadratische Schachtel bildet dazu den Sockel. Es ist fast eine Anleitung zum Selbermachen eines Ready-Mades, die Hugo Suter hier liefert und eine ironische Replik auf die Kunstszene, die turnusmäßig das Gewollt-Unkünstlerische feiert. Ähnliche, wie mit leichter Hand hingeworfene Bildideen findet man einige in Hugo Suters Ausstellung im Aargauer Kunsthaus, die Fotografien der Jahre von 1969 bis 2009 zusammenfasst. Da wäre etwa die 1992 datierte Aufnahme, die die eingedellte Sitzfläche eines Hockers wiedergibt und mit „in Gedenken an Hannah Villiger, die sich nach dem Morgendessen im Hotel von diesem Stuhl erhob“ überschrieben ist. Man wird Hugo Suter wohl glauben müssen, dass hier wirklich Hannah Villiger saß, die 1997 starb. Oder die Arbeit „Die gescheiterte Hoffnung im Eise (nach C. D. Friedrich)“, für die Suter vor einem Müllcontainer mehrere Holzscheite arrangiert, frei nach Friedrichs bekanntem Bild.

Es ist nicht die Wirklichkeit, die hier Schiffbruch erleidet, eher der Glaube, dass es in der Fotografie um Abbildung von Realität gehen könne. Suter, der 1943 in Aarau geboren wurde, ist auch in seinem fotografischen Werk jemand, der Wirklichkeiten schafft, der mit Bildmöglichkeiten experimentiert und das unkomplizierte Format der Polaroidkamera zu schätzen weiß. Suter hält mit der Kamera Arrangements fest wie „Lange Weile, Regelbildung“ von 1999, für das er fünf Rollen Klebeband miteinander verklebte, so dass diese eine Reihe bilden, die er an der Wand befestigt und die en passant die Langeweile als Schaffenskraft feiert. Was an dieser Schau von gut 150 Arbeiten überrascht, ist nicht zuletzt die Vielfalt. So setzt Suter die Fotografie auch ein, um Bilder zu schaffen, die anders nicht möglich wären und ein Gang durch die Ausstellung, die 40 Jahre des fotografischen Werks von Hugo Suter vereint, ist auch ein mitunter sehr ironischer Parcours durch die jüngste Kunstgeschichte.


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