Willkommen im Club!

26. 02. 2010
Johannes Dobroschke

In der Reihe Ricochet: Ein Modell der Welt des Künstlers Cris Koch in der Münchner Villa Stuck.


Das seltsamste ist, dass er fehlt. Jeden Moment erwartet man, dass Cris Koch auftaucht und den Besucher mit einem Gin-Tonic begrüßt. Aber er scheint außer Haus und so fängt man an, in der von ihm erschaffenen Welt herumzuschnüffeln. Zuerst unsicher und mit schlechtem Gewissen, später immer neugieriger und von einem detektivischen Fieber getrieben. Genau wie Sherlock Holmes, den Koch sehr verehrt. Man beginnt, sich an die seltsame Atmosphäre des Kellerraumes zu gewöhnen, der wie ein Rockclub vor dem Aufschließen wirkt. Aber etwas ist anders: Zwar sind Boden und Wände schmutzig und verschmiert, wie man das kennt, aber schon ein Blick auf die Bühne offenbart erste Unterschiede.

Dort stehen Instrumente und Geräte, denen schwerlich ein Ton zu entlocken ist. Eine E-Gitarre etwa ist mit dem Inneren einer Registrierkasse verwachsen. Das DJ-Pult birgt eine große, bunte Plattensammlung, alle LPs sind wild bemalt, die Hüllen selbst gestaltet. Legt man jedoch die Platte seiner Wahl auf den Plattenteller und bringt sie zum Rotieren, hört man nichts, denn das wichtigste Zubehör, der Tonarm, fehlt. Musik kann man in einer anderen Ecke des Raumes hören. Dort stehen alte Kassettenrecorder mit Kopfhörern, deren Anblick 80er Jahre Nostalgie beschwört. Koch ist Musiker, „Noise“ könnte man seine Musik wohl nennen. Sie legt sich nun im Kopf wie ein Soundtrack über die Ausstellung und füllt die Lücken zwischen den Objekten und Bildern.

Bilder und Schriftzüge wuchern vom Keller über das Treppenhaus bis in den zweiten Stock, als wäre der Club zu klein für Kochs überbordende Kreativität. Einige Motive wiederholen sich, etwa der von H.P. Lovecraft erdachte böse Dämon Chtulhu, der an einen mutierten Oktopus erinnert. Er verkörpert das Böse, das unterschwellig überall mitmischt. Und plötzlich steht man vor zwei Türen, über einer steht „Chtulhu“, über der anderen „Menschheit“. Stellt Cris Koch den Besucher vor eine schwierige Entscheidung – oder verbergen sich dahinter doch nur die Toiletten des Clubs?



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