Messe für den Mittelstand
05. 03. 2010Annette Hoffmann
Zwischen den Extremen: Die Art Karlsruhe 2010 ist Messe für den Mittelstand und immer für Entdeckungen gut.
Pressemitteilungen über die Art Karlsruhe beginnen regelmäßig mit dem Branding Karlsruhes als „badisches Eldorado der Kunst“, Besprechungen der Kunstmesse mit dem doch sehr gemischten Angebot. Wer die Messe bis zum 7. März besucht, wird mit beiden Extremen konfrontiert: der Jubelprosa, aber auch einem Spektrum von über 200 Aussteller, die nur schwer über einen Kamm zu scheren sind. Denn die Strategie des Karlsruher Galeristen Ewald Schrade, der die Messe vor sieben Jahre gründete, ist, dass Größe auch Bekanntheit anzieht. Wenn eine renommierte Galerie wie Michael Werner aus Köln eine Koje anmietet und dort Werke von Georg Baselitz, A. R. Penck, Jörg Immendorff und Markus Lüppertz zeigt, mag dies aufgehen. Ein anderes Schwergewicht ist die Berliner Galerie Michael Schultz, die Dependenzen in Seoul und Peking hat und in Karlsruhe mit Werken von Cornelia Schleime und Sven Drühl vertreten war. Doch der Großteil der 208 Galerien der Art Karlsruhe hat nicht dieses internationale Renommee und wird schwerlich überhaupt auf einer anderen Kunstmesse vertreten sein. Und diese bestimmen das Gesamtbild. Die Art Karlsruhe ist eine Messe für den Mittelstand und der zeigt sich durchaus kaufwillig. So konnte die Galerie Supper nach dem ersten Messetag bereits ein Verkaufsergebnis von 60.000 Euro melden.Vor allem, was junge Galerien angeht, ist die Messe jedoch nicht gut aufgestellt. Experimentelles wird einem eher auf der parallel in der Nancyhalle stattfindenden Plattform für Kunstinitiativen und #5 begegnen. Das Karlsruher Eigengewächs Ferenbalm-Gurbrü Station macht da eine Ausnahme. Die beiden Baden-Brüder dürften die jüngsten Galeristen am Start sein und fielen auch in diesem Jahr wieder mit ihrem installativen Stand innerhalb der Messearchitektur auf. Im Angebot haben sie die sehr grafischen Arbeiten von Jürgen Palmtag, die sich häufig an der Comicsprache orientieren, aber auch sehr originelle Werke der Karlsruher Künstlerin Franziska Degendorfer, die Stoffe in ihre Werke miteinbezieht. In ganz unmittelbarer Nähe finden sich Werke der Gallery Momo, die im Kontext des diesjährigen Südafrika-Schwerpunkt zu sehen sind. Vor allem Lyndi Sales Arbeiten wirken vielversprechend. Denn die 1973 geborene Künstlerin schneidet aus Vorgefundenem organische Strukturen heraus. Für ihre Arbeit „How long can you hold your breath“ hat die Südafrikanerin auf der Höhe der Lungenflügel das fein verästelte Organ als Cut-Out aus einer Rettungsweste gearbeitet. Auch andere Organe finden sich in dieser Serie, immer sind Material und Organ einander stimmig zugeordnet. Und auch Mary Sibandes Fotoarbeiten lohnen den Blick. Ihre gestellten Fotos schwarzer Frauen greifen das Thema des Kolonialismus und der Bedeutung von Repräsentation durch Kleidung auf.
Ein wenig suchen muss man, doch dann lassen sich durchaus Entdeckungen machen: die kleinformatigen auf alt getrimmten Fotografien von Yamamoto Masao bei der Galerie Baumgarten, den Auftritt der Galerie Feurstein oder die realistisch-surreale Malerei des Berliner Malers Harald Hermann bei Bernhard Knaus Fine Art. Malerei dominiert bei dieser Messe über Fotografie und Zeichnung, darunter finden sich durchaus einige sehr schöne Stücke aus dem Expressionismus. Den Blick weiten da die Gäste Carola und Günther Ketter-Ertel mit ihrer Schweizer Videokunst-Sammlung. Denn Video-Arbeiten sucht man ansonsten vergebens auf der Art Karlsruhe. Das kann ja noch kommen.
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